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Vom Bulldog bis zur Turmuhr: Im Reich des Privatsammlers Dietmar Schmiedlin in Kandern-Gupf

Da würde mancher Museumskurator vor Neid erblassen! Wenn der Gupfer Dietmar Schmiedlin seine Privatsammlung mit historischen Rariräten öffnet, dann gehen dem Besucher die Augen über. Denn hier gibt es Wunder über Wunder: Alte Traktoren und Zweiräder, längst aus der Mode gekommene Haushaltsgegenstände, Kinderspielzeug aus der „guten alten Zeit“, mechanische Fotokameras, Messgeräte und Uhren, Radios, uraltes Handwerkszeug, wie es Schuster, Sattler und Polsterer einst benutzten – und darüber hinaus noch so manches Erstaunliche und Ergötzliche.

wohin-oktober-2015_blaetter-18-webEigentlich ist das Hobby des Gewerbeschullehrers Schmiedlin die Musik. Er spielt Klarinette, und das gleich in mehreren Ensembles. Warum er darüber hinaus all diese Dinge, die früher zum Alltag gehörten, mit Liebe und Herzblut sammelt? Vielleicht ist es sein Interesse für Technik und sein Talent dafür, Kaputtes zu reparieren, was in unserer Wegwerfgesellschaft ja schon fast ein Anachronismus ist. Das hat er allerdings gemeinsam mit den „Bulldog-Freunden von Welmlingen“, deren Brauchtumsreferent er ist. Die liebevoll gepflegten Bulldogs, wie die Traktoren früher genannt wurden, sind Glanzlichter in der Sammlung, wenn auch nicht die einzigen. Sie nehmen einen Ehrenplatz in der großen „Scheune“ ein, die Schmiedlin extra für die Sammlung hergerichtet hat. Mehr als zehn alte Traktoren lachen hier den Bulldog-Freund an – die meisten davon sind noch funktionstüchtig. Das älteste Modell entstand aus einem Opelauto von 1934. Dass der Umbau von den 1950er-Jahren bis 2000 dauerte, erklärt sich aus dem Motto: „Ja nichts Neues verwenden!“ Mehr als zehn Modelle umfasst die Traktorensammlung, zu der unter anderem auch Achs-Schlepper der Firmen Hummel (Heitersheim) und Büssing (Glottertal) gehören sowie ein Deutz von 1950 und ein Massey Harris Beziner von 1951. Man muss schon ein ausgesprochener „Bulldogianer“ sein, um diese Sammlung so richtig würdigen zu können. Dazu kommen noch circa zwanzig Pflüge von Anfang des 20. Jahrhunderts bis zu den 1950ern. Zu der landwirtschaftlichen Sammlung gehört noch eine ganz besondere Rarität: Ein zu einem Gülleschöpfer umgebauter Stahlhelm aus dem 2. Weltkrieg. Not macht eben erfinderisch!

Eindrucksvolle Zweiradsammlung mit allererstem Sachs-„Motörle“ der Firma Kayser


wohin-oktober-2015_blaetter-14-webNicht weniger eindrucksvoll ist die Zweiradsammlung. Hier stammt das älteste Modell – mit dem allerersten Sachs-„Motörle“ - von der Firma Kayser. Und da Kayser bekanntlich ein Nähmaschinenhersteller war, verwundert es auch nicht, dass die entsprechende Nähmaschine gleich dabei steht. Passend dazu das letzte Sachs-Mofa von 1970, mit Motor im Hinterrad. Ganz selten: Eine ungarische Csepel Baujahr 1953, von der nur hundert Stück gebaut wurden! Eine mittlerweile legendäre Simson „Schwalbe“ aus der ehemaligen DDR und ein City-Bike-Mini-Mofa, das die Hostessen bei der Olympiade 1972 in München benutzten, könnten sicher so manche Geschichte erzählen, wenn sie reden könnten. Insgesamt vierundzwanzig Zweiräder enthält die Sammlung.

Haushaltsabteilung der Privatsammlung zeigt Gegenstände aus Küche, Keller und Vorratskammer


Die Haushaltsabteilung von Schmiedlins Privatsammlung zeigt Gegenstände aus Küche, Keller und Vorratskammer, wie sie früher üblich waren. Schmalzhäfen, Milchkannen und Seiher, Guglhupfmodel, Geschirr und Besteck - es ist fast unmöglich, alles aufzuzählen. Ein Gegenstand darf jedoch nicht unerwähnt bleiben. Es ist – aus dem eigenen Fundus der Familie Schmiedlin – eine uralte eiserne Wärmflasche mit einer Vertiefung, deren Bedeutung darauf hinweist, dass die fleißigen Bauersleute von anno dazumal ihren Feierabendtrunk auch schon mal mit in die Federn genommen haben: Es handelt sich nämlich um das vielleicht einmalige Modell eines „Viertele-Wärmers“. Auch eine Seltenheit: Ein Keramikhäfele, in welchem der Bauer seinen Kautabak aufbewahrte.

wohin-oktober-2015_blaetter-17-webZwei alte Puppenstuben aus den 1950ern – von den Eltern der beschenkte Kindern selbst gebaut – weisen so viele liebevolle Details auf, dass man am liebsten beginnen würde, damit zu spielen. Man könnte stundenlang hier verweilen! Und hier findet sich auch das älteste Stück der ganzen Sammlung: ein Schreinerwerkzeug von 1793, dessen Verzierungen – Ziffern, Jahreszahlen und geheimnisvolle, reiche Ornamente – darauf schließen lassen, dass es sich vielleicht um das sorgfältig hergestellte Gesellenstück eines Handwerksburschen handelte.

Bei den Radios sticht sofort ein Volksempfänger ins Auge, während des Zweiten Weltkrieges unter der Hand als „Göbbels-Schnauze“ bekannt. Ältestes Stück ist ein aufziehbares Trichter-Grammophon; eine der dazu gehörigen 78er-Schallplatten stammt aus dem Jahr 1915: „Rosen aus dem Süden“. Ebenfalls vertreten: Ein sehr seltenes Tefiphon, der Vorgänger des Tonbandes. Eine Fernsehtruhe aus den 1950er-Jahren weist das typische Requisit der Rock’n‘Roll Generation auf: eine selbst eingebaute Hausbar.

Fotoapparate-Sammlung mit mehr als hundert Modellen


Ein wahres Eldorado für Hobby-Fotografen ist die Fotoapparate-Sammlung mit mehr als hundert Modellen. Mehrere davon stammen aus dem Jahr 1900, eines davon ein professionelles Studiomodell. Wer glaubt, Minikameras seien eine Erfindung der heutigen Zeit, sieht sich hier eines Besseren belehrt: Ein Winzling aus dem Jahr 1930 ist der Beweis dafür. Und wer sich über die Vielfalt der Dinge wundert, sollte einen Blick in den (nachgedruckten) Katalog der Firma Stukenbrok – eine Art Neckermann-Vorgänger – werfen: Hier konnte man in der „guten alten Zeit“ um die Jahrhundertwende schon alles bestellen, was das Herz begehrte: vom Fahrrad bis zur Nähmaschine, vom Musikinstrument bis zu Schallplatten, vom Kinderspielzeug bis zu Waffen. Aus drei Schusterwerkstätten – zwei davon in Marzell, eine in Ehrensberg – hat Schmiedlin seine „Schusterwerkstatt“ zusammengestellt. Hier findet sich aber auch altes Sattler- und Polsterer-Zubehör.

Absolutes Prunkstück der Sammlung: Die ehemalige Turmuhr von Tannenkirch


wohin-oktober-2015_blaetter-16-webKommen wir zu guter Letzt zum absoluten Prunkstück der Sammlung: Der ehemaligen Turmuhr von Tannenkirch, die laut Uhrenmuseum mindestens 350 Jahre alt ist. Lange hat der Tüftler Schmiedlin daran gearbeitet, bis sie wieder im Originalzustand war und funktionierte.

Das Zifferblatt stammt vom Welmlinger Kirchturm, die Zeiger – mit Original-Einschusslöchern eines Beschusses aus dem Ersten Weltkrieg! - von der Holzener Kirchturmuhr.

Voller Stolz zieht Schmiedlin die Turmuhr auf und lässt sie zu Ehren der Besucher schlagen. Stubenuhren mit kunstvollen Perpendikeln aus Metall und reich ornamentiertem Holzgehäuse sind weitere Prachtstücke der Uhrensammlung.

Leider kein öffentliches Museum


So wunderbar die Sammlung von Dietmar Schmiedlin ist – sie ist eine Privatsammlung und kein öffentliches Museum. Wer sich dafür interessiert, muss sich telefonisch anmelden und einen Termin vereinbaren.

Text: Bianca Flier

Dietmar Schmiedlin | Kandern-Gupf | Tel. 07626 / 583
Dieser Beitrag sowie sämtliche Bilder wurden uns von unserem Medienpartner TS Verlag zur Verfügung gestellt. Die aktuelle Ausgabe des Monatsmagazins "Wohin im Markgräflerland", in dem auch dieser Artikel erschienen ist, können Sie als PDF online einsehen. Klicken Sie hierzu einfach auf das Logo oder klicken Sie hier.

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Bild(er) zur Verfügung gestellt von: TS Verlag Neuenburg
Montag, den 05. Oktober 2015 um 14:55 Uhr | Wohin im Markgräflerland

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