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Ein historisches Denkmal: Das Museum für Stadtgeschichte in Neuenburg am Rhein

Wer bei einem Gang durch die 1175 gegründete Zähringerstadt Neuenburg am Rhein nach historischen Bauwerken oder Fundstücken Ausschau hält, wird leider feststellen, dass weit und breit nichts dergleichen zu sehen ist - wenn man einmal von den derzeit noch freigelegten archäologischen Ausgrabungen absieht. Denn die Stadt wurde gleich dreimal in ihrer Geschichte total zerstört: In den Erbfolgekriegen des 17./18. Jahrhunderts und im Zweiten Weltkrieg, als annähernd 95 Prozent der Bausubstanz zuerst durch einen Artilleriebeschuss im Jahr 1940, dann durch einen alliierten Fliegerangriff 1944 in Schutt und Asche gelegt wurden. Doch es gibt sie noch, die historischen Relikte. Sie werden als facettenreiches Repertoire einer oft geschundenen, doch immer wieder zum Leben erwachten Stadt im Museum für Stadtgeschichte am Franziskanerplatz für den interessierten Besucher präsentiert.

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Das Neuenburger Museum für Stadtgeschichte ist beileibe kein Feld-Wald-und-Wiesen-Heimatmuseum. Selbst ein historisches Denkmal, beherbergt es auf drei Etagen lebendig präsentierte Geschichte. Das Gebäude ist eines der wenigen Häuser, die im Zweiten Weltkrieg nicht völlig zerstört wurden. Im 13. Jahrhundert befand sich in der Nähe ein Franziskanerkloster. Das heutige Bauwerk entstand im 19. Jahrhundert und weist Züge des Baustils der Neorenaissance auf, zeigt aber auch Merkmale eines italienischen Baustils, wie ihn der Weinbrenner-Nachfolger Heinrich Hübsch pflegte.

wohin-2016-11-12-webÜber Jahrzehnte hinweg diente das Gebäude als Schulhaus, nach 1945 als Rathaus. Am 8. Dezember 1988 zog dann das Museum für Stadtgeschichte ein, das Stadtschreiber Winfried Studer bereits 1975 anlässlich des 800-jährigen Bestehens der Stadt gegründet hatte. Studer, der die Geschichte Neuenburgs wie seine eigene Westentasche kennt und schon manche historische Überraschung aus alten Chroniken und Kirchenbüchern hervorzauberte, sorgte für eine umfangreiche Erweiterung der im Museum beheimateten historischen Sammlung und war auch für die Museumskonzeption verantwortlich.

Nachdem das Gebäude 1999 durch einen Brand schwer in Mitleidenschaft gezogen worden war, musste es gründlich renoviert werden. Damals erhielt es den hübschen rötlichen Anstrich, mit dem, wie Bürgermeister Joachim Schuster es damals ausdrückte, „der Solitärcharakter“ des Gebäudes unterstrichen werden sollte.

Das Museum ist – laut O-Ton seines Gründers Winfried Studer – „ein Denkmal der in ihrer Blütezeit weit ins Land hinaus strahlenden Zähringergründung mit ihrer ungewöhnlichen Geschichte“. Die darin untergebrachte Sammlung zeigt in einem chronologisch aufgebauten Rundgang die bedeutenden Ereignisse der Stadtgeschichte. Die Exponate dokumentieren sowohl die Frühgeschichte der Stadt mit ihrer Gründung durch den Zähringerherzog Bertold IV. und die Erhebung zur freien Reichsstadt als auch die von 1331 bis 1806 dauernde Zugehörigkeit zum habsburgischen Vorderösterreich. Doch auch die wichtigen Ereignisse des 19. und 20. Jahrhunderts werden präsentiert, wobei die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg eine besondere Rolle spielen.

wohin-2016-11-13-webDer Ausstellungsparcours beginnt im Erdgeschoss mit Exponaten hinter Glas, gesiegelten Urkunden, Illustrationen und Bildtafeln zur frühen Geschichte. Hier finden sich auch Funde aus keltischen Gräberfeldern wie Schwerter, Schmuck und Geschirr in schönen Glasvitrinen. Auf lebensgroßen Bildtafeln sind Abbildungen bemalter Heiligenfiguren aus Stein zu sehen, die drei weibliche Heilige sowie den Heiligen Fridolin und den Heiligen Sebastian darstellen. Diese Statuen haben einst in jenem prächtigen Neuenburger Münster gestanden, das bei der großen Rheinüberschwemmung im 16. Jahrhundert untergegangen ist. Ihre Originale stehen heute in der Heilig-Kreuz-Wallfahrtskapelle und in der Liebfrauenkirche. Zu den wichtigsten Urkunden, die hier hinter Glas präsentiert werden, zählt jene der „Adolphinischen Schenkung“. Dabei handelt es sich um die 1292 erfolgte Bestätigung der Erhebung Neuenburgs zur Freien Reichsstadt, die jedoch bereits Jahrzehnte zuvor durch kaiserlichen Erlass erfolgt war.

Im lichtdurchfluteten ersten Obergeschoss ist der Kern der Stadtgeschichte eingefangen, welcher im Wesentlichen die vorderösterreichische Epoche umfasst. Hier ist auch das wohl kostbarste Vermächtnis der Neuenburger Historie zu sehen: Eine sogenannte Turm-Monstranz aus vergoldetem Silber - um 1420 bis 1445 entstanden – die schon einmal in nahezu lyrischer Weise als „Wunderwerk der Goldschmiedekunst“ bezeichnet wurde. Beim Museumsbrand 1999 konnte das unbezahlbar wertvolle Ausstellungstuck wie durch ein Wunder vor den Flammen gerettet werden. Leider ist es bisher nicht möglich gewesen, dieses Prunkstück einem Meister der Goldschmiedekunst zuzuordnen. Möglich wäre, dass sie von Jorg Schongauer, einem Bruder des berühmten Malers Martin Schongauer, geschaffen wurde. Beide hatten über Straßburg und Basel Kontakte zu Neuenburg am Rhein.

wohin-2016-11-14-webIm zweiten Obergeschoss ist die jüngste Vergangenheit Neuenburgs dokumentiert. Unter anderem sind hier zahlreiche Fotodokumentationen zu sehen, welche die furchtbaren Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges zeigen. Eine Videodokumentation rückt diese schreckliche Epoche aus zeitgenössischer Sicht ins Bild. Leider sind die eindrucksvollen Gemälde von Adolf Riedlin und Heinrich Wittmer, die als Zeitzeugen die Schrecken und das Unheil der Zerstörung in Großformat festgehalten haben, beim Brand 1999 ein unwiederbringlicher Raub der Flammen geworden.

Weitere sehenswerte Exponate sind beispielsweise eine von Otto Rümmele angefertigte Kopie des berühmten Merian-Kupferstichs, der die Stadt Neuenburg am Rhein im Jahr 1643 zeigt. Oder die Zunftscheibe der Zunft „Zum Riesen“, die nach einem Scheibenstich des Hieronymus Vischer (Kupferstichkabinett Basel) angefertigt wurde. Ein weiteres interessantes Ausstellungsstück ist der Abguss des mittelalterlichen Heiligen Kreuzes, dessen Original in der Heilig-Kreuz-Wallfahrtskapelle hängt. Der Legende nach wurde dieses Kreuz vom Rhein angeschwemmt und kehrte nach seiner Verbringung ins Münster dreimal auf geheimnisvolle Weise an den Fundort zurück. Als Reaktion auf dieses Wunder errichteten die Neuenburger schließlich an jenem Ort eine Kapelle.

Doch das ist noch längst nicht alles. Was man beim Rundgang persönlich entdeckt, hängt natürlich auch vom spezifischen historischen Interesse des Besuchers ab. Man muss sich schon ein wenig Zeit nehmen, um all die Schätze, die das Museum zu bieten hat, zu betrachten und auf sich einwirken zu lassen. Es lohnt sich auf jeden Fall.

 Bianca Flier


Allgemeine Informationen zum Museum für Stadtgeschichte:


Museum für Stadtgeschichte
Franziskanerplatz 4, 79395 Neuenburg am Rhein
Öffnungszeiten: So, 10.00 - 12.00 und 14.00-16.00 Uhr

Weitere Informationen:
Stadt Neuenburg am Rhein, Rathausplatz 5, 79395 Neuenburg am Rhein
Tel.: +49(0)7631/791-0
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Web: www.neuenburg.de


Dieser Beitrag sowie sämtliche Bilder wurden uns von unserem Medienpartner TS Verlag zur Verfügung gestellt. Die aktuelle Ausgabe des Monatsmagazins "Wohin im Markgräflerland", in dem auch dieser Artikel erschienen ist, können Sie als PDF online einsehen. Klicken Sie hierzu einfach auf das Logo oder klicken Sie hier.

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Mittwoch, den 22. März 2017 um 14:01 Uhr | Wohin im Markgräflerland

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