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Weinstetter Hof - Führungen am 9. April 2011

Im September 2010 wurde in Eschbach mit den umfangreichen Instandhaltungs- und Restaurierungsarbeiten im Weinstetter Hof begonnen. Nur knapp sechs Monate später sind bereits Teilabschnitte vollständig saniert. Nun kann sich auch die Öffentlichkeit ein Bild vom Baufortschritt machen. Am 9. April 2011 finden ab 15 Uhr Führungen mit Prof. Dr. Heinrich Pompey sowie dem Restaurator Eberhard Grether statt – um Voranmeldung wird gebeten.

Der Weinstetter Hof ist, laut Denkmalamt, als einstiger Sommersitz des Johanniterordens von "hoher regionalgeschichtlicher Bedeutung". Das 1606 erbaute Gutshaus sowie das Herrenhaus mit seinem historischen Fürstensaal werden aufgrund ihrer außergewöhnlichen Stuckausstattung und Konstruktion als "wichtige architekturgeschichtliche Zeugnisse" eingestuft. Die renommierten Malerwerkstätten Heinrich Schmid, die den Weinstetter Hof 1985 erwarben und die ehemaligen Stallungen mit hohem Aufwand umbauten, sind derzeit dabei, die beiden Gebäude umfangreich zu restaurieren.

Vom Fortschritt der Restaurierungsarbeiten kann sich nun die interessierte Öffent- lichkeit am 9. April 2011 ein Bild machen. Ab 15 Uhr finden Führungen durch das Hofgut statt. Dabei wird der Theologieprofessor Dr. Heinrich Pompey die bewegte Geschichte des Weinstetter Hofes aufleben lassen und der Restaurator Eberhard Grether wird die bauhistorische Bedeutung sowie die derzeitigen Arbeiten näher erläutern.

Informationen zu den öffentlichen Führungen


Datum:    9. April 2011
Beginn:   15:00 Uhr
Ende:      16:30 Uhr

Die Führungen finden mit Prof. Dr. Heinrich Pompey (Führung zur Geschichte des Weinstetter Hofes) und dem Restaurator Eberhard Grether (Bauhistorische Führung) statt. Um die besser kalkulieren zu können, wird um Voranmeldung unter folgender Telefonnummer bzw. E-Mail-Adresse gebeten:

Telefon: 07633 / 4009-14 oder E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Von einer „Fehlinvestition“ zum kulturhistorischen Kleinod der Region

Der_Weinstetter_Hof_in_Eschbach Im Laufe der Jahrhunderte wechselte das Anwesen oft seine Besitzer. Diese wirtschafteten aus unterschied- lichen Gründen mehr schlecht als recht und das historisch so bedeutende Gebäudeensemble verfiel immer mehr. Als dann in den Jahren 1952/53 mehr als 50 ha für den Bau des Nato-Flugplatzes in Eschbach abgezweigt wurden, verlor der Hof auch noch seine landwirtschaftliche Grundlage. Erst der Kauf des Weinstetter Hofes durch den Reutlinger Malerbetrieb Heinrich Schmid bedeutete dessen Rettung. Mit viel Idealismus finanzierte damals das Unternehmen, welches heute an über 100 Standorten in Deutschland mehr als 3.600 Mitarbeiter beschäftigt und weitere Filialen im europäischen Ausland hat, in den Kauf und den Umbau des maroden Gutshofes. Die ehemaligen Schweineställe wurden abgerissen und lediglich die Kopfbauten stehen gelassen. Anstelle eines großen Misthaufens in der Mitte der Anlage ziert nun ein Löschteich das Gut. Im westlichen Längsgebäude befinden sich heute Büros und Tagungsräume sowie im östlichen Werkstätten und Lagerräume.

Die_heutigen_Buerogebaeude_im_Weinstetter_Hof_in_Eschbach Firmeninhaber Dr. Carl-Heiner Schmid verteufelte den Erwerb lange Zeit als „die größte Fehlinvestition meines Lebens“. Heute ist der Hof mehr als nur Büro, Werkstatt und Lager. Es hat sich zu einem kulturhistorischen Kleinod gemausert, das vielseitig genutzt wird. So bietet das Anwesen ein außergewöhnliches Ambiente für Tagungen, Feste und verschiedenste Events. Zudem hat sich der jährliche Kunst- und Adventsmarkt als fester Termin im Eschbacher Veranstaltungskalender etabliert.

Mit der Restaurierung des Gutshauses und später des Herrenhauses hat sich Schmid nun entschlossen, das Kulturgut weit auszubauen und es für die Allgemeinheit zugänglich zu machen. Denn sonst seien die Gebäude nur eine schöne leere Hülle, so Schmid. Und solch bedeutende Objekte müssen nicht nur unterhalten sondern auch genutzt werden. Allerdings ist die Sanierung kein leichtes Unterfangen, da sie dem Anspruch des Denkmalschutzes und moderner Nutzung zugleich gerecht werden muss.

Original bemalte Holztafeln aus dem 17. Jh. und seltene Kreuzgradgewölbe

Das_eingeruestete_Gutshaus_im_Weinstetter_Hof_in_Eschbach_ Begonnen wurde mit den umfangreichen Arbeiten am ehemaligen Gutshaus, das auch „Villa“ oder „Schlös- schen“ genannt wird. Es ist nach der Sanierung als Bürogebäude zur Vermietung vorgesehen. Das Guts- haus stammt, wie eine Datierung am Treppenturm zeigt, aus dem Jahr 1606 und wurde, nach dessen Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg, 1653 wieder aufgebaut. Dabei wurde anscheinend aus zuvor zwei Gebäuden eins gemacht. Es wird vermutet, dass sich neben dem ursprünglichen Gutshaus auch eine Kapelle befand, in der die Ritter des Ordens Gottesdienste und ihre Tageszeitengebete während ihrer Aufenthalte verrichten konnten. Beim Wiederaufbau wurde die Kapelle in den Bau des Gutshofes integriert.

Restaurierter_Dachstuhl_des_Gutshauses_im_Weinstetter_Hof_in_EschbachDer aus dem 17. Jahrhundert stammende und bereits fertig sanierte Dachstuhl ist weitgehend erhalten ge- blieben. Er wurde mit möglichst wenigen Eingriffen in die Substanz restauriert. Balken, die nicht mehr zur Statik beitrugen wurden nicht einfach entfernt, sondern bekamen eine „Schutzverkleidung“. Eine Holzanalyse ergab, dass sie aus dem Jahre 1653 stammen.

Bemalte_Holztafeln_aus_dem_17-ten_Jahrhundert_im_Weinstetter_Hof_in_EschbachIm Zuge der bisherigen Restaurierung wurde eine Vielzahl von bemalten Holztafeln aus dem 17. Jh. aus den Decken im Obergeschoss entfernt. Sie sind außergewöhnlich gut erhalten und beeindrucken mit ihren noch deutlich zu erkennenden originalen Bema- lungen. Die Tafeln werden nicht mehr verbaut, sie verbleiben jedoch zur Anschauung im Weinstetter Hof.

Kreuzgradgewoelbe_im_Weinstetter_Hof_in_EschbachEin weiteres Highlight gibt es im Erdgeschoss zu bewundern. Hier ruhen auf Konsolen so genannte Kreuzgradgewölben mit aufgesetzten Stuckrippen. Die Restaurierung dieser selten so gut erhaltenen Gewölbe ist handwerklich und zeitlich sehr aufwändig. So müssen für die Instandsetzung eines einzigen Raumes bis zu sechs und mehr Wochen einkalkuliert werden.

Das Herrenhaus und sein prunkvoller Fürstensaal

Das_Herrenhaus_im_Weinstetter_Hof_in_EschbachIn einem zweiten Schritt soll das Herrenhaus mit seinem prunkvollen Fürstensaal restauriert werden. Im Jahre 1648 wurde Friederich Landgraf von Hessen-Darmstadt Fürst und Großprior in Heitersheim. Er war, als Sohn des evangelischen Hauses Hessen-Darmstadt, in Rom zum katholischen Glauben konvertiert. Es wird vermutet, dass er dies nicht nur aus religiösen Gründen tat, sondern auch, weil er den aufwendigen Lebensstil der damaligen römischen Gesellschaft gegenüber dem strengen protestantischen bevorzugte. Zu diesem Lebensstil, der ihn immer wieder in Geldnöte brachte, gehörte auch, dass die Malteserritter das Jagdrecht selbst ausübten. Deshalb ließ Großprior Friederich einen Neubau auf der Nordseite des Hofes errichten, das Herrenhaus mit dem Fürstensaal im Obergeschoss. Hierher lud er seine Jagdgesellschaften ein.

Fuerstensaal_im_Herrenhaus_des_Weinstetter_Hofs_in_EschbachAuf die engen Verbindungen von Großprior Friederich mit Italien weist schon der toskanische Baustil des Herrenhauses hin. Dieser zeigt sich insbesondere in dem, für die hiesige Region, ungewöhnlich flach geneigten Dach. Und auch im absoluten Prunkstück des Herrenhauses, dem Fürstensaal, wird diese Verbunden- heit deutlich. Dort finden sich, derzeit leider noch arg in Mitleidenschaft gezogene, Renaissance-Stuckaturen, die in einer Technik gearbeitet sind, die schon vor 400 Jahren nicht oder nur sehr selten nördlich der Alpen angewendet wurde. Die einzelnen Elemente sind alle handgearbeitet. Vermutlich hatte Großprior Friederich für die Arbeiten extra Stuckateure aus Italien beauftragt.

Papstwappen_im_Fuerstensaal_des_Herrenhauses_im_Weinstetter_Hof_in_EschbachEin weiterer Hinweis für die enge Bande mit Italien beziehungsweise Rom findet sich an der Stirnseite des prunkvollen Fürstensaales. Dort erinnert das Wappen von Papst Alexander dem VII an seinen Gönner in Rom. Ob der Papst selbst je im Weinstetter Hof weilte lässt sich nicht nachweisen. In jedem Fall ist das Wappen auch als Zeichen der Papsttreue Friederichs zu sehen. Über dem Saal-Ausgang befindet sich das eigene Porträt von Großprior Fürst Friederich, Landgraf von Hessen-Darmstadt.

Russgeschwaerztes_Kreuzgradgewoelbe_im_Herrenhaus_des_Weinstetter_Hofs_in_EschbachDie Räumlichkeiten im Erdgeschoss des Herrenhauses sind, wie im Gutshaus, mit gut erhaltenen Kreuzgradge- wölben ausgestattet und wurden im Laufe der Jahre verschiedentlich genutzt. So beherbergten sie Anfang des 18. Jahrhunderts, als der Großprior Goswin Hermann Freiherr von Merveldt die noch heute vorhandenen Stallungen bauen ließ, eine Schmiede. Ebenso dienten die Räume eine Zeit lang als Räucherkammer, was an den rußgeschwärzten Wänden deutlich erkennbar ist. Die letzten 100 Jahre waren sie ungenutzt. Nun soll bald wieder der alte Glanz sichtbar gemacht und das Herrenhaus als Veranstaltungsort für Kunst, Events und Schulungen genutzt werden.

Der Weinstetter Hof und der Johanniterorden

Bereits 896 wurde das Hofgut Weinstetten unter dem Namen »Vizzilistat« erwähnt. Im Jahre 1271 verkaufte Otto von Staufen den Weinstetter Hof an die Johanniter zu Freiburg. Deren Filiale in Heitersheim lief ihnen bald den Rang ab. Denn 1350 wurde Heitersheim zunächst Kommende und 1428 Großpriorat des Johanniter- bzw. Malteserordens, wie er sich nach Verlegung des Hauptsitzes auf Malta nannte. Das deutsche Großpriorat, dessen wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt nun Heitersheim war, erstreckte sich von den Alpen bis nach Skandinavien und von den Vogesen bis nach Ungarn. Während 1482 ein verheerendes Rheinhochwasser Neuenburg und das damalige Dorf Weinstetten wegriss, blieb der auf dem Hochgestade stehende Hof verschont.

Mehr zum Thema auf markgraefler.de:
Beitrag: Historische Gebäude im Markgräflerland
Eintrag: Willkommen bei den Malerwerkstätten Heinrich Schmid in Eschbach

Externe Links zum Thema:
www.gemeinde-eschbach.de
www.weinstetterhof.de

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Bildnachweis (nach Reihenfolge): (1-11) © Bastian Heinrich - markgraefler.de
Mittwoch, den 16. März 2011 um 09:16 Uhr | Dirk Ruppenthal
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